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Under the bright but faded lights - Helios - 10.03.2019

<center><table bgcolor="#E3DFDF" width="500px" border="0" cellpadding="2" cellspacing="4"> <tr>
<td colspan="2"><div align="justify"><blockquote><h1>Under the bright but faded lights</h1>

Als die letzten Überlebenden der Ahal-Diktatur sich abseits des Schlachtfelds zur Ruhe legten wussten sie mit der neuen Freiheit nichts anzufangen. Zu viele Verluste hatten sie erleiden müssen, zu viele Freunde, Brüder, Schwestern, Mütter und Väter verloren. Manche weinten, manche standen regungslos da und manche, wie <b>Helios</b> kümmerten sich um die Körper ihrer Liebsten.
Blut hing in der Luft, drang tief in die Lungen der Überlebenden, in ihren Geist, ließ etwas in ihnen verkümmern. So hart war die Schlacht gewesen und nur so wenige hatten überlebt, konnten die Rebellion hinaus in die Welt tragen und das Ende des Ahal verkünden. Helios wusste nicht was er zuerst tun sollte, bis er das Gesicht seines Vaters sah, dessen offene, tote Augen direkt in sein innerstes blickten. <i>"Es ist dein Erbrecht."</i>, hatte er gesagt. Er musste die Pferde nach Valeria führen, zu einer einer Legende, in der ihre Ahnen vor rund 500 Jahren angeblich gelebt haben sollten. Namen wir <i>Nero Valerius, Spartacus Licinius, Kýra Valerius und Echo Valerius</i>, flackerten durch sein Hirn, gefolgt von <i>Cebraîl</i> der den Untergang der Valerius ins Rollen brachte als er den König <i>Nereus Valerius</i> tötete, Jahre nachdem König Nero zu seinen Ahnen geschritten war.
All dieses Wissen stürzte auf den jungen Schecken ein, just da er den toten Blick seines Vaters sah. Die Geschichten wurden lebendig vor seinem inneren Auge, formten sich zu Geistern vergangener Zeit die um sie herum standen, ihn voller Mitgefühl und Bedauern betrachteten. Dieses junge Herz wurde so früh auf eine so harte Reise geschickt.

<i>"Du musst erst über das Gebirge, es ist steil und schwer zu erklimmen, setze deine Hufe überlegt. Hinter dem Gebirge liegt ein Wald, tief und schwarz mit Bäumen so hoch, dass sie fast jedes Licht zu schlucken scheinen. Gib acht, Gefahren im grauen Gewand warten da auf euch. Ja und dann, dann kommt die karge Steppe mit einem kleinen Wasserloch, trinke gut daraus, denn die Wüste die folgt wird euch versuchen zu schlucken. Irgendwann wirst  du das große Rauschen hören und Möwen die über die Weite schreien, der Strand ist schön, doch er wird euren Durst nicht stillen. Dann siehst du endlich grün, herrliches grün und ein Gefühl wird dir sagen, dass du fast da bist. So nah. Und dann... ja dann mein Sohn, wirst du es sehen. Das Land unserer Ahnen, wie es sich dir stolz entgegen stellt und seine Arme weit öffnet um dich zu empfangen. Valeria.</i>

</td></tr></table></center>

Helios betrachtete die ersten langen Schatten die sich ausbreiteten als die Sonne langsam aufging. Die Nacht war einsam, kalt und hart gewesen, den Verlust seiner Eltern nach wie vor nicht begreifen könnend. Ebenso wie den Verlust seiner restlichen Familie, bis auch Keltek und Hora. Sie waren noch da, sie standen hier mit ihm und Helios wusste, dass sie so schnell auch nicht gehen würden. Sie würden bleiben, sie würden ihm bei seinem Unterfangen helfen. Eine Unternehmung, auf die sein Vater ihn seit seiner Geburt vorbereitet hatte. Doch was hatte sein Hasenherz dazu immer gesagt? 'Ach Vater, du bist doch da, führe du uns dann an. Ich schaffe es nicht, bitte.', seine Mutter hatte um diese Schwäche von Helios gewusst. Hatte gewusst, dass ihr Sohn auf dieser Reise erst seinen Mut würde finden müssen um später als der Hengst aus dieser Mission hervor zu gehen, für den sein Vater ihn schon die ganze Zeit hielt.
Doch Helios glaubte, dass er nichts von dem königlichen Glanz hatte, der seinem Geschlecht selbst nach so vielen Jahren nach wie vor anhaftete, er war einfach Helios, der kleine Helios der die Welt mit großen neugierigen Augen betrachtete, sich keiner Verantwortung bewusst sein möchte. Doch genau dieser Helios sollte jetzt die letzten Überlebenden der Ahal-Diktatur in ein Land bringen, dass er nur aus Sagen kannte. Sagen, die unter dem Volk verbreitet waren und viele unterschiedliche Formen und Richtungen angenommen hatte. Aureus, sein Vater, hatte ihm immer eingetrichtert, dass er nur dem Glauben schenken sollte, was ER seinem Sohn über Valeria erzählt. Denn er hatte es von seinem Vater und jener von seinem und irgendwann in ihrer Geschichte, hatte auch Nero seinem Sohn davon erzählt und dessen Sohn seinem Sohn, seiner Tochter. Nun war es an ihm, zu prüfen, ob das alles wahr war, oder ob die Geschichte eine Farce war. Etwas, was sich irgendeiner irgendwann einmal ausgedacht hatte.

Helios seufzte, er hasste Dinge die im Ungewissen lagen. Es war nichts was er kalkulieren konnte. Er schluckte, lies seine breiten Schultern kreisen, ehe er den Blick von den Schatten nahm und die Überlebenden betrachtete. Der Morgen brach an, die ersten Vögel sangen ihr trauriges Lied und Helios weckte die anderen."Kommt, wir sollten uns langsam versammeln.", murmelte er den Schlafenden ins Ohr, darauf wartend, dass alle sich um ihn versammelten. Sein Herz schlug bei dem Gedanken an so viel Aufmerksamkeit bis zu seinem Hals. Da musste er durch, ja. Musste.


RE: Under the bright but faded lights - Keltek - 10.03.2019

Der Geruch nach Blut lag immer noch in der Luft, drang in Nüstern und legte sich bitter auf der Zunge nieder. So viele waren gefallen, er hatte sogar dazu beigetragen, dass Bösewichte das zeitliche segneten. Der Lebenssaft so einiger klebte immer noch an seinen Hufen, war getrocknet und würde ihn wohl noch eine ganze Zeit lang anhaften, bis sie eine Wasserstelle erreichen würden. Die dunkelbraunen Iriden musterten die müden und geschundenen Körper seiner Artgenossen. Sie hatte so viele lieb gewonnene Freunde verloren, vor wenigen Stunden noch, waren sie Seite an Seite dem Feind gegenübergestanden...nun war es still. Nur hier und da vernahm man ein heißeres Husten, ein leises Stöhnen oder einige flüsternde Stimmen. Keltek biss die Zähne zusammen, er hätte mehr von diesen Bastarden ins Höllenfeuer schicken sollen! Wut brodelte abermals in seiner Magengegend auf und ihm war danach seinen Frust der aufgehenden Sonne entgegenzubrüllen, aber er wollte die anderen nicht wecken, also Schnaubte er nur und rammte einen seiner Vorderhufen in den Boden. Der Druck, der dabei entstand, trug dazu bei seinem Frust Linderung verschaffen.

Der Schecke trat aus dem Schatten eines alten Baumes heraus, an welchem er bis eben gelehnt hatte. Jeder Muskel machte sich mit einem quälenden Stöhnen bemerkbar, als er sich in Bewegung setzte. Keltek war immer wieder aus dem Dämmerschlaf aufgeschreckt, als ein weiterer Pferdekörper sich in seine Richtung begeben hatte oder an ihm vorbeigezogen war. Er hatte sich wirklich den hintersten Winkel, die dunkelste Stelle ausgesucht um seine Wunden zu lecken, aber nicht mal da war er ungestört geblieben. Einige Stunden vor Sonnenaufgang hatte Keltek sich dann dazu entschieden es mit dem Schlafen aufzugeben und hielt lieber Augen und Ohren offen, man konnte ja nie wissen welche Gefahr noch auf sie lauern würde, nachdem sie die vorherige nur knapp überlebt hatten. Das Herz zog sich schmerzlich in seiner Brust zusammen, als seine Gedanken sich um seine Eltern drehten, sie waren nicht mehr bei ihm und seinem älteren Bruder. Der Dunkle schloss die Augen, die Schlacht hatte auch das Leben zweier Anführer ihrer Rebellion gefordert. Nur sein Cousin und dessen Ziehbruder hatten überlebt.

Augenblicklich zuckten die Ohren in Richtung einer vertrauten Stimme und Keltek zuckte zusammen, was hätte er nur gemacht, wenn der braune Schecke nicht mehr hier wäre, was wäre wenn... Der Dunkle schüttelte den Kopf und warf diese Gedanken von sich, er würde sein Leben für seinen besten Freund geben und wollte daher nicht an dessen Ableben denken. Solange wie ER an der Seite von Helios war, konnte diesem nichts geschehen. Ein feines Lächeln umspielte die Lippen Kelteks, aber nur für einen Augenblick, ehe der Körper sich auf sein Ziel zubewegte. Das Lächeln war wieder verschwunden-
Vorsichtig trat er an seinen Cousin heran, blieb etwas hinter ihm stehen: "Steht dein Entschluss fest?" Er zweifelte natürlich keineswegs an der Entschlossenheit seines Freundes, hinterfragte diese auch nicht, aber diese Reise in ein fernes Land würde beschwerlich werden, sie müssten einige von ihnen zurücklassen. Keltek unterdrückte ein Seufzten. Valeria..? "Du gibst das Tempo vor."

Der Schecke trat an die Seite von Helios und betrachtete die ersten Sonnenstrahlen dieses Tages. Ein neuer Tag, ein neues Glück. Neue Hoffnung, huh? "Ich bleibe an deiner Seite, bis alles vorbei ist."

<h2>Helios</h2>


RE: Under the bright but faded lights - Nyx - 10.03.2019

Wo bin ich?
Langsam öffneten sich die braunen Augen, die verhangen die Umgebung abtasteten. Da waren Sträucher. Steine. Gras. Vereinzelte Baumstämme. Sie atmete ein. Ihr Blick glitt weiter, strich über einen Felsen. Etwas stimmte nicht. Ein weiterer Atemzug. Ein weiterer Blick. Und sie verstand. Die Welt war verrutscht. Befand sich in Schräglage. Nein. Sie war es, die lag. Ein leises Stöhnen erklomm die Tiefen aus ihrer Lunge, sie zog die Beine unter sich, ließ ihren Körper darauf gleiten und die Welt rückte wieder in die ihr angestammten Fugen. Der dunkle Himmel über ihr. Das feuchte Gras unter ihr. Der Felsen neben ihr. 
Felsen.
Sie fixierte ihn. Das Licht des anbrechenden Tages war fahl, musste sich durch eine Decke aus Wolken kämpfen. Nicht nur dort oben. Auch in ihrem Kopf.
Der Felsen war kein Felsen.
Eine plötzliche Welle von ungeahnter Kraft wogte durch ihren Körper, riss sie in die Höhe und mit auseinander gespreizten Beinen kam die junge Stute zum Stehen. Ihr Blick tastete über die Form vor ihr. Vier Beine. Brustkorb. Langhaar, zerzaust und verklebt. Teilweise ausgerissen. Ein Kopf. 
Kein Kopf.
Sie legte ihr Haupt schief.
Doch. Ein Kopf. Aber nicht mehr als solcher zu erkennen.
Etwas in ihr regte sich. Ein leises Zittern, das zu etwas heranwuchs. 
Ihr Blick löste sich, glitt über den Boden, zu ihren Hufen. Sie konnte kaum etwas erkennen. Ihr Blick glitt weiter. Über ihre Beine, ihre Brust. 
Blutrot.
Sie hob den Kopf, die braunen Augen starrten in den Himmel. Und das, was in ihr heranwuchs, nahm Form an. Es füllte sie vollkommen aus, bis ihr Körper nicht mehr in der Lage war, es zu halten.
Sie lachte. Es war kein belustigtes Lachen. Es war hysterisch. Einem Schreien ähnlicher als einem Kichern.
Dann folgte Stille. Plötzliche Stille, die über die hereinbrach wie Wasser, das einen Damm mit sich reißt.
Dann wurde alles Schwarz. Wieder.

Nyx hatte genau gewusst, was geschehen war. Der Anblick des toten Hengstes hatte ihr die Erinnerungen an die vergangene Nacht mit einer schonungslosen Prägnanz in den Kopf gehämmert und wenngleich sie ob dieser furchtbaren Geschehnisse erschüttert war, so war die junge Stute doch gleichermaßen erfüllt von einem anderen Gefühl.
Selbstgerechtigkeit. Und.... einer grausamen Faszination. Sie war es gewesen, die sein Leben beendet hatte. Nun gut, vielleicht nicht sie selbst. Denn irgendwie hatte die Rotbraune in dieser Nacht neben sich gestanden und ihre Taten hatten keiner Kontrolle ihrerseits mehr unterlegen. Es hatte sich angefühlt wie ein Rausch. Es hatte in ihrem Kopf gehämmert.
Töte ihn bevor er dich tötet.
Und das hatte sie. Als das Gefecht losgebrochen war, hatte sie fliehen sollen. Gemeinsam mit anderen Stuten und Fohlen, die als zu zerbrechlich für den Kampf erachtet wurden. Doch sie waren verfolgt worden, von mehreren Hengsten, die ihre Gruppe schnell zersprengten. Nyx war alleine. Aber sie war schnell. Doch nicht schnell genug. Einer der Hengste stellte sie. Und dann.... 
Töte ihn bevor er dich tötet.

Als die Rotbraune etliche Zeit später erwachte, fühlte sie sich wie erschlagen. Für einen kurzen Moment lang war sie orientierungslos, dann jedoch raffte sie sich auf. Ihr Blick glitt ein weiteres Mal über den Leichnahm - dieses Mal spürte sie nur noch Ekel - dann trat sie einen Schritt zurück und wandte sich um, als plötzlich Schmerz und Müdigkeit über ihren zarten Körper hereinbrachen wie ein tosender Sturm. Sie stöhnte, kniff die Augen zusammen und begann, einen Huf vor den anderen zu setzen. Die ersten Schritte waren taumelnd, nahmen dann jedoch schnell an Tempo zu und in einem ungleichmäßigen Trab verfolgte Nyx den Weg, welchen sie zuvor in einem halsbrecherischen Galopp zurückgelegt hatte. Sie wusste nicht, wie viel Zeit seither vergangen war. Doch das langsam aufkeimende Licht des Morgens verriet, dass es einige Stunden sein mussten. Der Geruch, der in der Luft lag, ließ hingegen erahnen, dass es eher zwei Tage waren. Sie lief weiter, den Blick stur geradeaus gerichtet. Immer mehr reglose Körper säumten den Pfad. Sie brauchte sie sich nicht anzusehen um zu wissen, dass unter den Toten viele derer waren, die sie kannte. Und mochte. 
So viele.
Nach etlichen weiteren Metern verlangsamte sich Nyx' Tempo. Dort vorne hoben sich die Umrisse einiger Überlebender gegen das fahle Morgenlicht ab und obwohl sie nicht wusste, um wen es sich dabei handelte, ging sie dennoch weiter. Entweder es waren die, die die Revolution angestoßen hatten und auf deren Seite sie selbst sich befand, oder aber die, die gegen die sie sich aufgelehnt hatten. Im letzteren Falle wäre ihr Schicksal besiegelt. Doch Nyx hatte nicht die Kraft für eine erneute Flucht. Vielleicht würden sie sie am Leben lassen. Als Sklavin. Oder Hure.
Beim Näherkommen erkannte sie dann, dass es Helios und Keltek waren. Ihr Herz machte einen müden Sprung, ehe die Stute inne hielt, die aussah, als hätte sie in Blut gebadet. Ein halbes Lächeln zuckte über das schmerzverzerrte Gesicht. Ob sie geglaubt hatten, sie sei tot?
"Je eher wir diesen Ort verlassen, desto besser."


RE: Under the bright but faded lights - Niamh - 10.03.2019

Verwundet biss sie sich auf die Zähne und trabte weiter. <I>Blende ihn einfach aus, mein Kind. Der Schmerz wird bald vergehen!</i> Sie war direkt nach dem Sieg in die nahe gelegenen Wälder gelaufen um Breit- und Spitzwegerich zu finden, eine Schnautze voll Kamille, das meiste aber von Arnika, einer Pflanze mit gelben Blüten die gerade jetzt für Prellungen und Blutergüsse das beste überhaupt war. Erst vor kurzem kam sie hier in diese Herde, geführt von, naja, reden wir nicht darüber. Niamh trabte mit einem flotten, lahmenden Tackt zurück um sich um die zu kümmern, deren Leben nicht von Morrigan geholt wurden. Tote Körper waren für das Aastiergefras da, sie würden es abnagen und der Boden tat sein übliches. Allerdings konnten sie hier nicht bleiben, nicht mit so viel tot im Boden. Grün würde es erst wieder werden, wenn alles gereinigt wurde.

Wieder auf dem Blut besudelten Flecken Erde angekommen, kümmerte sie sich um die anderen. Wunden waren zu reinigen und mit Spitz- und Breitwegerich zerkaut zu bedecken. Kamille für die innere stärke und Arnika würde die vielen Blutergüsse heilen. Zu dumm, dass sie immer noch nicht die gesamte Pflanzenwelt dieser hier kannte. Irgendwann war auch ihre Energie erschöpft, gewandelt zwischen den Toten, halb Lebenden, brauchte auch eine Niamh einige Stunden Schlaf.

Leise begannen die Vögel zu singen.
Zu dem sich aufwachendem Tag nahm sie nun auch gesäuselte Stimmen war. Stimmen die sie gut zuordnen konnte, Stimmen die Helios und Keltek gehörten. Froh über diese Stimmen, zwang sich die Stute zum aufwachen. Schwer hoben sich die Lider, noch schwerer ihr zerschlagener Körper doch bei weitem war ihrer noch nicht so schlimm wie manch anderer. Natürlich hatte sie sich nicht zurück gehalten, bei der Badb, sie hatte gegen ihren Glauben und Fähigkeiten sorge Getötet. Nun aber, nun war sie da zum Heilen. Nicht töten. Ihrer Natur folgend, trat sie lahmende Schritte bevor sie durch herannahendes Galoppieren wieder zum Stillstand kam.
Aus dem hinteren Teil, dem teil, den Niamh in der Nacht nicht mehr geschafft hatte ab zu klappern, drang eine braune Stute hervor. Braun war sie nun nicht mehr, denn verklebt im roten Kleid schien das Fell jegliche Wunden ihrer zu überdecken.

Niamhs Kinnlade viel, als sie Nyx erkannte. Diese zarte Stute so zu sehen, löste in ihr wogen von verzweifelten Gefühlen aus.
Schnell schnappte sie sich die restlichen Pflanzen und kam in einem etwas plumperen Trab zu den restlichen Überlebenden, die sich nun auf heißen von Helios zusammen fanden.
Gerade noch hörte sie Nyx sprechen. Sie stieß darauf ein Lachen aus, als sie nun auch endlich die anderen erreichte.

<B>“Erst mal, werden grob die Wunden versorgt, oder willst du Raubttiere mit deinem neuen Kleid anlocken?“</b> gab sie von sich, ohne dass eine Widerrede geduldet wurde.
<b>“Ihr zwei seid auch noch dran!“</b> gab sie über ihren Rücken hinweg zu Keltek und Helios weiter, ehe sie begann, Nyx zu untersuchen.

<b>“Bei allen Göttern, hast du dich unter die kämpfenden Hufe gelegt Mädchen?“</b> erstaunt darüber dass die Stute noch stand, wenn auch mehr recht als schlecht, begann die Tinkerstute ihre Pflanzen zu zerkauen. Sie würden kein Tag weit kommen, wenn sie alle unbehandelt Kopflos weiter liefen. Hier bleiben war definitiv keine Option, bald wird es hier von hungrigen Schatten nur so wimmeln. Unter anderen Umständen wäre Niamh sicher höflicher und nicht so rigoros, doch Nyx sah wirklich… scheiße aus, anders konnte man das nicht beschreiben. Vor sich hin zermalmend, betrachtete sie den Körper aus verschiedenen Augenfarben. Würde sie noch dort liegen, für Niamh wäre sie sicherlich unter den Toten. Vielleicht war sie ja auch tot gewesen? Vielleicht hatte sie hier vor sich eine Banshee? Kurz lächelten ihre Augen bei diesem Gedanken, wurden aber leider eines besseren belehrt, als sie ihre Kräutermischung auf die Schläfen der Stute spuckte.
<b>“Tschuldige!“</b> gab sie etwas zu fröhlich wieder und verrieb das Gemisch auf der größeren und schwereren Wunde der Stute.


RE: Under the bright but faded lights - Helios - 10.03.2019

Er blickte in ihre müden Gesichter, sah ihre Trauer, ihre Verwirrung, ihre Angst. Was geschah nun? Wo würden sie hingehen? Was würde sie dort erwarten? Fragen vor denen Helios auch stand, die ihn prüfen würden, ihn und seine Entschlossenheit. Er schluckte, spürte auf einmal Kelteks Anwesenheit unmittelbar in seiner Nähe, erleichtert darüber, dass sein 'Bruder' wieder aufgewacht war, dass er immer noch an seiner Seite weilte. Wie oft der Rappschecke ihm in der vergangenen Nacht das Leben gerettet hatte, konnte Helios nicht zählen und anders herum war es mindestens genauso oft gewesen. Sie waren ein Team, schon immer gewesen und Helios glaubte nicht daran, dass sie irgendwann etwas anderes sein würden. Nein, nichts würde sie trennen.
Kelteks Stimme holte Helios aus seinen Gedanken, kurz berührten die Nüstern des Fuchsschecken die Schulter des anderen. "Ja, mein Entschluss steht fest. Vertraust du mir?", die Stimme des jungen Hengstes war ein Flüstern, wollte sicher klingen, aber wie sollte er, wenn in seinem eigenen Herzen Zweifel ob der Echtheit jener Geschichten ruhten? Nur klein, denn ein großer Teil von ihm wollte unbedingt an diese Geschichten glauben, wollte, dass der Mythos echt war, aber da war auch die Unsicherheit, die mit der Verantwortung einher ging. Denn es war keine Reise die er allein bestritt, es war eine Reise bei der er für mehr als ein Leben - seines - verantwortlich war. Als Keltek von Tempo sprach, schaute Helios sich wieder um, betrachtete die wenigen Gesichter der Pferde die noch lebten. Sie alle würden kein großes Tempo vorlegen können. Sie hatten in der Nacht kaum Ruhe gefunden, wirkten ausgelaugt. "Langsam, wir müssen es langsam angehen.", antwortete der Gleichaltrige und holte tief Luft, als er eine Stute auf ihre kleine Gruppe zukommen sah. Es war Nyx und sie sah fürchterlich aus. Helios betrachtete einen Moment die Mischung aus Blut und Dreck an ihrem Fell. Ihre Worte klangen ungewohnt in seinen Ohren, Helios nickte, ehe Niamh zu ihnen stieß, ebenfalls angeschlagen. Natürlich.

Die mütterliche Art der kräftigen Stute entlockte dem jungen Hengst ein vages Schmunzeln und er nickte bestätigend, als sie davon sprach, dass sie sich alle würden reinigen müssen. Mussten sie und der junge Schecke wusste auch wo. "Wir müssen so oder so über das Gebirge, dort oben können wir einen Halt bei den heißen Quellen machen... jetzt da sie keinem mehr gehören, dürften wir ohne große Mühen zu ihnen gelangen.", schlug Helios vor, Niamh einen Moment betrachtend als sie davon sprach, dass Keltik und er auch noch dran waren. Aufmerksam beobachtete er wie sie Nyx pflegte. "Spuckst du uns dann auch an?", fragte er mit einem seltsamen Anflug von Humor, die Nüstern leicht kräuselnd.


RE: Under the bright but faded lights - Keltek - 10.03.2019

Ein wohlwollendes Lächeln wollte sich auf die dunklen Lippen schleichen, aber Keltek ließ es nicht zu und würgte es ab. Noch waren sie nicht von diesem blutdurchtränkten Fleckchen Erde verschwunden, noch war nicht die Zeit dafür an Hoffnung zu glauben. Eine tief, versteckte Bewunderung für den braunen Schecken spürend, senkte er die Lider. Gut das er sich sicher war, trotz seines jungen Alters gaben sie sich gegenseitig Halt und wenn der eine ins Wanken geriet, fing der andere ihn wieder auf, das würde immer so sein. Seine Ohren zuckten irritiert, als Helios ihn sacht an der Schulter berührte. So ganz kam er immer noch nicht mit plötzlichen Berührungen klar, aber der Dunkle gewöhnte sich langsam daran und fand es nunmehr nicht mehr ganz so schlimm."Immer doch mein Freund." Gut, nun gingen sie also nach Valeria. "Wohin uns diese Reise auch führen mag, welche Gefahren noch komm mögen, ich folge dir." Er wollte es also langsam angehen lassen? Keltek wollte nur eines, und zwar so schnell wie möglich von hier wegkommen und wenn er die Verwundeten selbst tragen müsste! Er presste die Lippen aufeinander, wusste er doch um das Herz aus Gold, welches in der braunen Brust schlug. Der Dunkle widersprach nicht. Niemals. Akzeptierte und nahm die Entscheidung hin, die getroffen wurde. "Gut, ich werde..." Gerade als der Schecke es den anderen Überlebenden mitteilen wollte, vernahm er schnelle Hufe, die sich in ihre Richtung bewegten. Automatisch ging Keltek auf Abstand und tauchte wieder etwas neben Helios unter. Seine Augen verengten sich, als er doch wieder vorwärts ging und einer blutbemalte Nyx entgegenstarrte. Wo kam das ganze Blut her? Ihr Blut? Blut vom Feind? Aber sie sah eher so aus, als wäre sie in einer eben solchen Pfütze ausgerutscht. Ihre Worte überging er mit einem zucken seiner Ohren, sie hatte sich nicht nach ihrem Wohlbefinden erkundigt, obwohl dies doch offensichtlich der Morgen nach einer Schlacht war. Keltek zog die Mundwinkel zurück, versuchte sich an einem schiefen Lächeln: "Na sieh mal einer an..." er musterte sie kurz "du lebst ja noch." 
Mit diesen Worten hatte er sich doch indirekt um sie gesorgt, es war ihr nichts passiert. Keltek meinte sich sogar daran zu erinnern, dass sie die Kämpfer ausgewählt hatten und die Stuten und Fohlen aufgetragen hatten, im Wald nach Schutz zu suchen. Nyx hatte diese Anweisung offensichtlich übergangen oder war sie einfach verwirrt in die falsche Richtung gestolpert? Bevor der Gescheckte aber zu weiteren Worten ansetzten konnte, stieß auch Niamh zu ihnen. 

Erleichterung umfloss seinen Körper und die Anspannung wich etwas aus ihm. Es tat gut zu wissen, dass sie eine Heilerin unter sich hatten. Sie war nicht nur ein Vorteil in der Schlacht, sondern mittlerweile auch ein geschätzter Teil ihrer Gemeinschaft, ohne jenen das Leben nur halb so humorvoll wäre. Keltek grüßte die Ältere mit einem respektvollem Nicken. "Schön dich unversehrt zu sehen, Niamh." Sein Blick suchte die Gipfel des Gebirges von denen Helios sprach. Die heißen Quellen hörten sich wirklich nicht schlecht an, die Muskeln vieler schrien nach Entspannung. Aber erst einmal mussten sie alle unversehrt und so langsam wie möglich dort hinauf bringen. Gut, dass Niamh jetzt hier war, sie konnte die meisten für den Aufstieg Stärke verleihen...egal wie sie das auch anstellte, es funktionierte. 
Keltek war nicht nach Lachen zumute, obwohl der Humor seines Cousins oft ansteckend war. "Ich verzichte." Kommentierte er nur und verzog, bei den Gedanken daran, von Niamh angespuckt zu werden, das Gesicht.


RE: Under the bright but faded lights - Nyx - 10.03.2019

Dass das Gemisch von Gefühlen in ihrer Brust halbwegs erträglich blieb, war wahrscheinlich einzig und allein der Tatsache geschuldet, dass sie von einer düsteren Erschöpfung überschattet wurden. Noch immer fand sie Reste des Zorns und der Panik in ihrem Herzen, die sie zur Mörderin gemacht hatten, gleichzeitig eine zarte Zufriedenheit darüber, dass sie es überstanden hatte, gepaart mit einem für sie derzeit nicht zu deutenden Glühen.
Ein Hochgefühl.

Als Niamh auf sie zustürmte, hob Nyx den schmalen Kopf, ihre Ohren passiv nach hinten gerichtet. Diese überschwängliche Art war etwas, das ihr schon immer suspekt gewesen war. Dennoch ließ sie die Scheckstute gewähren, als diese sich daran machte, ihren Körper zu untersuchen. 
"Halb so schlimm."
kommentierte sie.
Das wenigste davon ist mein Blut.
Und doch hatte es ihr Lebenskraft verliehen. Nyx war selbst ein wenig überrascht davon, dass es sie nicht störte, in dieses fremde Rot gekleidet zu sein.

Kelteks Stimme ließ ihre Ohren zucken und das Mädchen verengte ihre dunklen Augen. "Ich fühle mich nicht so."
Lüge.
Sie hatte sich selten lebendiger gefühlt.
Nyx musterte Keltek. Der Hengst war in einem ähnlichen Zustand wie sie selbst. Doch letzten Endes waren sie das alle. Auch Helios, dessen Blick sie kurz auffing, und Niamh, die sich jetzt ihrem Kopf näherte.
"Was zum... hast du mich gerade...?"
Zornig blitzten die Augen der Rotbraunen, die vor einer weiteren Berührung der anderen Stute zurückzuckte. In den letzten Stunden hatte sie um ihr Leben fürchten müssen, war gejagt, geschlagen, getreten und misshandelt worden und hatte sich dann in einem Zustand des unkontrollierbaren Wahns wiedergefunden, der sie zur Mörderin gemacht hatte, die selbst dann noch auf ihren Gegener eingeschlagen hatte, als dieser leblos am Boden gelegen hatte. Und jetzt musste sie sich auch noch anspucken lassen?!
Ihr Herz trommelte in ihren Ohren. Als jedoch der pochende Schmerz in ihrer Schläfe von einer angenehmen Kühle betäubt wurde, besann Nyx sich und der zornige Ausdruck auf dem hübschen Gesicht wisch einem schmallippigen Lächeln.
"Ich... danke dir."
Sodann ließ Nyx ihren Blick zu Helios gleiten. Dass er das Kommando übernommen hatte, bedeutete, dass Aureus einer der Vielen war, deren tote Körper sie umgaben. Nyx war wohl eine der Wenigen, die keinen Teil ihrer Familie zu betrauern hatte. Nicht heute. Ihre Seelen hatten diese Welt schon lange verlassen.
Sie ließ ihre Augen weiter wandern, hinauf ins entfernte Gebirge, dorthin, wo die heißen Quellen sich befanden. Es waren keine guten Erinnerungen, die die junge Stute mit diesem Ort verbanden. Dinge waren dort geschehen. Dinge, von denen sie niemandem erzählt hatte. Dinge, von denen nur diejenigen wussten, die jetzt tot waren.
Ein heimliches Grinsen wollte sich auf ihre Züge schleichen.
Sie sind tot. Alle.
Nyx schluckte es hinunter. Sie wusste, sie hatte mehr gewonnen als die Anderen, die dieses Massaker überlebt hatten. 
Keiner wird dir mehr weh tun.


RE: Under the bright but faded lights - Niamh - 11.03.2019

Auf Kelteks Stimme hin, dass es schön war sie unversehrt zu sehen, nickte die Stute kurz angebunden, ehe sie – nachdem sie die Pflanzen auf die Wunde spuckte – ein wenig sich zurück lehnte und ihr Werk betrachtete.
Aus Nyx Gesichtszügen konnte sie sehen, dass ungläubiger Zorn herauf beschworen wurde. Genau das Amüsierte die kräftige Stute etwas.
Auf die unwirkliche, nichtvollendete Frage hin, nickte die Schecke und ihr Lächeln wurde noch breiter. Dann aber danke ihr die Schönheit in Blut. <i>Jaja, erst Wehren und dann doch danken… so kenn ich sie alle nur!</i> grinsend wand sie sich ab und betrachtete nun die beiden Hengste.

<b>“Ich kann euch auch Ablecken, wenn dir das lieber ist!“</b> scherzte sie etwas, zog ihre Zunge hinaus und fuhr einmal über ihre Lippen. Mit einem schmatzenden Geräusch betrachtete sie die anderen. Keltek zog sodann er sah, dass sie die Pflanzen kauen musste um auf die Wunde zu spucken, seine bedenken. <i>Memmen</i> dachte sie etwas belustigt.

<b>“Dennoch bitte ich euch, wenigstens die Kamille zu euch zu nehmen. Den Rest werde ich behandeln, wenn die Muskeln dort oben Locker sind. Viele Pflanzen haben wir auch nicht mehr, die hier im Umkreis gingen noch in der Dämmerung drauf für die paar überlebenden.“</b> nun legte sich etwas Schwermut in ihrer Stimme. Obgleich Niamh eine recht fröhliche und offene Natur war, ging ihr das nicht sorglos von der Seele. Auch ihr wurden Freunde entrissen.
Ein Maul voll Kamille für die drei um sie herum.

<b>“Wenn wir langsam zu den Quellen kommen, ist es besser. Ab da wird ich noch mal alle behandeln können, nachdem das Blut runter ist!“</b> damit neigte sie ihren Kopf und blickte deutlich zu Nyx.
<b>“Gerade die Prellungen werden die restlichen stark beeinträchtigen. Doch wir sollten hier weg sein, bevor das Aufräumkomando kommt!“</b> damit waren Bär, Wolf und Fuchs gemeint. Alle drei würden sich über die toten Körper freuen. Ihre Seelen waren schon längst weiter gezogen, in neue Körper oder Pflanzen.

Langsam ging sie etwas abseits zurück zu ihren Pflanzen um über das bisschen zu grübeln, was sie noch da hatte. Den Wegerich fand man überall. Das war nicht das Problem. Nur die Arnika war nicht so leicht auszumachen. Gerade die wurde aber dringend für die vielen Prellungen benötigt. Wieder war da diese Hoffnung, endlich jemanden zu finden der von diesen Pflanzen hier mehr Ahnung hatte als sie. In ihrer Heimat gab es viele Moose und Flechten, die es hier nicht gab, oder noch nicht gefunden hatte.

Seufzend nahm sie die restlichen Arnikabündel in den Mund, gefolgt von einigen Kamille Stängel, ehe sie dem restlichen Wegerich den Rücken kehrte und mit vollem Maul wieder zu den dreien dazu stieß.
<b>“Pfetich!“</b> nuschelte sie mit vollem Mund, damit war sie jedenfalls startklar. Die kleine Prellung am hinteren Bein, welches sie abbekam, als die Stuten und Fohlen in den Wald brachte, war nicht der Rede wert. Viel eher war es eh der andere, um den man sich hätte sorgen machen müssen, aber Selbstverteidigung bis zum Tod war dennoch ok – auch wenn ihre Heiler Seele durchaus darunter leiden würde.
Einige Stuten – wie Nyx – waren trotz der Ansage von Keltek nicht mit gekommen in den Wald. Andere hatten wie Niamh vor allem die jüngeren beschütz. Das waren ausmaß allerding hatten die Schecken vor ihr auf dem Rücken tragen müssen und der Rest ihres Geschlechts. Viele waren schlicht zu Stolz um sich Heilen zu lassen, das war auf jedem Flecken Erde so, genau deshalb, machte es der Stute nichts aus, auch mal grob zu werden. Es musste sein, ende.

Neben Nyx stehend, wartete sie darauf, bis alle zusammen getrommelt wurden.


RE: Under the bright but faded lights - Helios - 12.03.2019

Es war ein gutes Gefühl Keltek an seiner Seite zu wissen. Keltek und Chronos bildeten das wichtigste Duo in dem Leben von Helios, beide gaben ihm Sicherheit und beide glichen seine Schwächen auf bester Weise aus. Es wäre undenkbar für den jungen Schecken auf einen der beiden zu verzichten.
Als die Scheckstute davon sprach, dass sie sie auch einfach ablecken könnte, runzelte Helios leicht die Stirn. "Och du.. muss nicht. Ich werde aber alles essen was du heran schleppst, versprochen!", amüsierte sich der Anführer ihrer kleinen Gemeinschaft, den Blick kurz zu Nyx flackern lassend, die sich bei Niamh bedankte und nun einen großen Brocken 'Irgendwas' an der Schläfe kleben hatte. Artig zerkaute Helios die Kamille, die - wie er fand - eher süßlich schmeckte und daher wohl zu seiner Lieblingsmedizin gehörte. Wenigstens etwas, was nicht so bitter schmeckte.

Das alle mit den heißen Quellen einverstanden waren erleichterte Helios und bestärkte ihn ein wenig in seiner Entscheidungskraft. Er selbst freute sich auf die heißen Quellen, hatte er sie letztlich noch nie nutzen dürfen, geschweige denn groß gesehen, denn die Wachposten des Ahals waren einfach immer dort gewesen. Ganz egal wie er Keltek und Chronos sich an den großen Hengsten hatten vorbei schleichen wollen als sie noch kleiner waren.
Helios nickte bei Niamhs Worten. "Definitiv. Einen Wolfsangriff würden wir mehr schlecht als recht überstehen.", und an Bären wollte der junge Schecke nicht einmal denken. Seine Erfahrungen mit diesen riesenhaften und kräftigen Räubern belaufen sich zwar lediglich auf einen flüchtigen Blick den er auf einen Mal hatte werfen können, aber das hatte ihm schon gereicht.

"Dann werden wir jetzt losgehen. Jeder macht so schnell wie er kann und habt euch bitte gegenseitig im Blick.", kündigte Helios an und betrachtete kurz die Pferde die von der Herde übrig geblieben waren. Es waren nur... zehn Stück an der Zahl. Sie hatten alles abgesucht, hatten jeden leblosen Körper zweimal herumgedreht, nein, es waren nur zehn. Er schluckte, es war ein seltsames Gefühl seine Eltern, Kelteks Eltern und alle anderen hier zurück zu lassen. Zurück in die Erde zu geben, den Wölfen und Bären zu überlassen, die in den nächsten Wochen gut zu speisen hatten.
Mit dem Gedanken wandte sich Helios ab und ging langsam los. Sein Körper selbst schrie auf, fühlte sich ausgemergelt und schwach, doch die Aussicht auf die warmen Quellen und den Geruch des Blutes loszuwerden spornten ihn an. Danach würde ihre Reise beginnen, ihr langer Weg. Hoffentlich würden sie es finden, hoffentlich waren es nicht nur Hirngespinste gewesen. Helios betete zu allen ihm bekannten Göttern, er wollte für seine Freunde eine neue Heimat finden, einen Neuanfang wagen.

Während sie langsam die Steppe passierten und zu den Ausläufern des Gebirges kamen, wandte der junge Schecke immer wieder den Blick herum, zählte die Reihen durch, er wollte wirklich keinen verlieren.


RE: Under the bright but faded lights - Keltek - 13.03.2019

Seine Augen verengten sich kaum merklich, als er das Mädchen musterte, sie sah wirklich schrecklich aus und trotzdem hatte sie es lebend zu ihnen zurückgeschafft. Ein zucken seiner Mundwinkel war die einzige Regung auf Nyx´ Antwort hin, dennoch konnte er amüsiertes Grinsen nicht verstecken, als ihre Heilerin dem Mädchen eine Ladung Kräuter an die Schläfe spuckte. Empört bockte ihre Patientin zurück und Kelteks Amüsement über diese Situation wuchs nur noch weiter, als er den zornigen Blick von der Jüngeren auffing. Zum Glück blieben er und Helios von dieser Prozedur verschont. Der Schecke war zwar keiner der viele Worte  verlor, aber heimliche Schadenfreude durfte er sich doch auch einmal erlauben. Irgendwie war er ganz froh das Nyx den Angriff lebend überstanden hatte, auch wenn sie gar nicht danach aussah. Er senkte den Kopf und inspizierte die Arbeit der Heilerin, roch an ihrem Kunstwerk und rümpfte die Nüstern. "Die heißen Quellen sollten den Rest erledigen, dann siehst du wenigstens wieder halbwegs...lebendig aus." Nyx sollte nur versuchen ihn zu beißen oder anderweitig auf dumme Gedanken kommen, er würde sie den Berg schon hinauftreiben und sie höchstpersönlich in die Quelle werfen.

Den Kopf nun wieder erhoben, starrte er Niamh entgeistert an. Sie wollte doch nicht wirklich...Das sie das überhaupt in Erwägung zog. Ablecken? Seine Ohren wandten sich nach hinten - eine leere Drohung - aber er war wirklich nicht amüsiert über den Gedanken. "Bevor DEINE Zunge in MEIN Gesicht kommt..." Er verstummte als er Helios´ schmunzeln sah, der Schecke senkte die Lider, gab sich seinem Schicksal hin nur Kräuter zu sich nehmen zu müssen. Ein Seitenblick zu seinem Cousin, er fraß es, also musste es ungefährlich sein. Keltek hatte nicht wirklich Ahnung von Pflanzen, er war auch nicht jemand, der sich schnell behandeln ließ, nur weil er ein paar Wehwehchen hatte. Prüfend roch er an der Kamille und kaute anschließend vorsichtig darauf herum. Der leicht süßliche Geschmack konnte auch nichts daran ändern, dass es ihm wiederstrebte diese Pflanze zu schlucken. Als er damit fertig war, schüttelte er den Kopf, in Zukunft würde er es vermeiden sich großartig zu verletzen, auch wenn dieses Vorhaben so gut wie unmöglich war. Keltek schnaubte und sah der Heilerin nach, wie sie noch mehr Pflanzen sammeln ging.

Der Blick streifte abermals über die leblosen Körper, die diesen Platz säumten. Ein gefundenes Fressen für die Raubtiere, die sicher schon im Geäst des Waldes darauf lauerten, ihre Zähne in das Fleisch ihrer Freunde zu bohren. Der Schecke wandte den Blick von ihnen ab und richtete ihn wieder auf die Lebenden. Ein Befehl und sein Körper straffte sich, überblickte die einzelnen Pferde, zählte nach, alle da. Irgendwie würden sie mit diesem kümmerlichen Rest schon vorankommen, Irgendwie mussten sie es einfach schaffen. Keltek machte kehrt und folgte seinem Cousin ins Ungewisse.

Es war befreiend endlich diesen blutgetränkten Fleck hinter sich gelassen zu haben. Immer wieder ließ der Schecke sich zurückfallen und bildete für eine Weile das Schlusslicht ihrer Truppe. Dann trabte er wieder an und schloss zur Spitze auf. Seine Muskeln protestierten, aber die Aussicht auf die heißen Quellen ließ Keltek stetig weitergehen. Schließlich ging er neben der roten Nyx her, er konnte ja schlecht die ganze Reise schweigen, ein kaum hörbares Seufzen verließ seine Lippen. "Nyx..." Worte, Worte, ja er musste doch Worte finden, aber er war nun wirklich kein Genie in solchen Sachen. Mit Helios viel ihm das viel leichter, aber sein Cousin hatte ihm doch immer gesagt, dass er mehr soziale Kontakte haben und pflegen sollte. "Wie geht es dir...kannst du noch laufen?" Anstrengend. Am liebsten hätte der Ältere jetzt mit den Augen gerollt, aber er verkniff es sich und richtete den Blick wieder geradeaus. Bald waren sie am Gebirge angelangt.